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MANUSKRIPT: Die Wirklichkeit ist kleinteilig
Buch- und Verlagswesen in Österreich

ANMODERATION

Die Buch- und Verlagsbranche in Österreich steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Der Libro-Konkurs, immerhin der drittgrößte Konkurs in der österreichischen Nachkriegsgeschichte, und der bevorstehende Verkauf des österreichischen Bundesverlages, des größten österreichischen Verlages, bringen Bewegung in die österreichische Buchhandelsbranche.
Wir nahmen die aktuellen Ereignisse zum Anlass zur Beantwortung der Frage: Wie ist es um die österreichische Lesekultur bestellt?

MUSIK
„Wer a sagt muss auch b sagen“

Musik fade out darüber

O-TON-SEDLACEK
Alle Untersuchungen zeigen, dass generell weniger gelesen wird.

O-TON-HOCHGATTERER
Die Kinder lesen so viel wie noch nie.

O-TON-RUISS
Sozialprestige des Lesens enorm herabgesetzt worden.

O-TON-GLÖCKLER
Stückzahlen beweisen, dass man den jungen Leser verführen kann...

SPRECHER
Als letztes Jahr die PISA-Studie erschien, schrillten in Deutschland die Alarmglocken: Die OECD-Studie stellte dem deutschen Bildungssystem eines der schlechtesten Zeugnisse Europas aus. Die Leseferigkeit deutscher Schülerinnen und Schüler sei unterdurchschnittlich: 60% der 16-jähigen Schüler würden nichts lesen, die Sprachbeherrschung der Muttersprache sei mangelhaft. Als Reaktion wurden verbindliche Schultests zur Qualitäts-Evaluierung eingeführt, Preise für den vorlesefreudigsten Kindergarten ausgelobt und in Kooperation mit Verlagen ein deutscher Literaturkanon mit den Muss-Büchern für Schüler und Schülerinnen erstellt.
Österreich stieg bei der Studie etwas besser aus, doch auch hierzulande wurden in den letzten Jahren die falschen Signale gesetzt, wie Gerhard Ruiss, Vorstand der IG-Autoren, resümiert.

O-TON-RUISS
Für Kinder und Jugendliche war es nicht attraktiv lesen zu lernen ... in den letzten jahren Internetzugang gefördert worden ... lesen und der autor abgesagt worden .. schrift abgesagt worden.

SPRECHER
Mit der Aktion „Ganz Wien liest“, bei der 100 000 Bücher des Romans „Ewigkeitsgasse“ von Frederic Morton in allen Wiener Schulen verteilt wurden, zog die Stadt Wien mit den Leseaktionen der Bundesrepublik nach. Ziel der weltweit größten Lese-Initiative war vor allem, jugendliche Leser für das Medium Buch zu begeistern. Denn wer liest, hat nicht nur mehr vom Leben, wer liest, hat meist auch bessere Noten.
Die wichtigste Bedingung für den Griff zum Buch ist der Erwerb der Leseferigkeit junger Leser und Leserinnen:

SPRECHER
Gustav Glöckler, Verlagsleiter des Schul- und Kinderbuchverlages ÖBV-hpt:

O-TON-GLÖCKLER
Wenn jemand problemlos lesen kann, wird es sich interessanten Stoff zuwenden ... Große Aufgabe Lesefertigkeit und Freude am lesen zu wecken.

SPRECHER
Offensichtlich gibt es eine gewissen Trendwende bei den Interessen jugendlicher Leser:

O-TON-GLÖCKLER
Was noch vor Jahren intellektuelle verstehen jetzt das mystische ... herr der ringe film hat unwahrscheinliches bewegt ... millionen verkauft worden, aber auch für erwachsene interessant ...

SPRECHER
Paulus Hochgatterer, der oft vor Schülern liest, widerlegt das bildungspessimistische Vorurteil von den jungen Büchermuffeln, die nichts mehr lesen wollen. Entscheidend bei der Leseerziehung ist das Engagement und die Offenheit aller Beteiligten:

O-TON-HOCHGATTERER
Bücherschränke sollen offen sein ... nur lesende eltern werden lesende kinder haben ...Mein eindruck, dass das buch durchaus was gilt ... kinder sind viel interessierter als man annimmt ... schüler sind weniger berechenbar als erwachsene .... kritischer als erwachsene

SPRECHER
Der direkte Kontakt zwischen Lesern und Autoren bedeutet nicht nur für junge Leser einen wesentlichen Anreiz, zu einem Buch zu greifen.
Paulus Hochgatterer liest mitunter bei einem Buchhändler in Purkersdorf. Claus Mitterbauer hat sich hier am Rand von Wien eine Nische geschaffen, in der er die Nahversorgung mit Büchern fern der Metropole gewährleistet. Sein einfaches, erfolgreiches Konzept heisst: Kundenkontakt.

O-TON-MITTERBAUER
Lerne ich vom kunden ... bin ein kabel mit speicherkapazität

SPRECHER
Der Verkaufsstil der Buchhandlungen hat sich in den letzten Jahrzehnten massiv verändert.

O-TON-MITTERBAUER
Früher gab es großes pult ... was der kunde wollte ...ausser der buchhändler war gnädig.

SPRECHER
Ein Buchhändler wie Klaus Mitterbauer ist ein wichtiges Bindeglied in der sogenannten Buchkette. Eine Paulus Hochgatterer-Lesung vor Schülern ist auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll: Der Buchhändler gewinnt neue, junge Leser, die er an einen Autor und an seine Buchhandlung bindet. Und die jugendlichen Gelegenheitsleser von heute werden potentielle Kunden von morgen.
Ein guter Buchhändler kennt seine Kunden, ihr Leseprofil, und gewährleistet, dass auch sperrigere Texte wie die von Paulus Hochgatterer, ihr Publikum finden:

O-TON-MITTERBAUER
Dieser Text wäre nicht über große Buchketten verkaufbar ... Wenn der text nicht verkauft worden wäre ... nichts davon ... das mag ich ja gar nicht lesen .. dann kommt er nicht mehr ... wenn da nicht eine bestimmte stückanzahl gibt ... ok das hat sich noch nicht gerechnet .. da kommt noch was nach ...dann verschwindet der wieder ...

SPRECHER
Ein Buchhändler wie Klaus Mitterbauer lebt von der Mischkalkulation. Zum einen hat er sperrige und innovative Texte, die er auf Lager legen kann und muss. Zum anderen macht er das Geschäft aber mit den sogenannten Schnelldrehern, den Bestsellern, die er in höherer Stückzahl und mit einer größeren Rabattspanne einkauft, wodurch er höhere Gewinne erwirtschaften kann. Österreichische Autoren sind nicht viele darunter.
Wenn man die in Zusammenarbeit mit den Buchhändlern erstellten Bestsellerlisten verfolgt, wird man auf wenige Titel von österreichischen Autoren stoßen. Mitunter gelingt es noch am ehesten österreichischen Sachbuchautoren, in die heimischen Bestsellerlisten vorzustoßen.
Martina Schmidt, Cheflektorin von den Publikumsverlagen Residenz und Deuticke, spekuliert über die Hintergründe.

O-TON-SCHMIDT
Themen überall gleich ...egal ob autor aus südafrika oder der Schweiz ...

SPRECHER
Um die Bestseller dreht sich alles, und das immer schneller. Egal, ob Henning Mankell, Jonathan Franzen oder Isabell Allende, die internationalen Schnelldreher machen das große Geschäft in Österreich – und das zum fixen Ladenpreis.
Als Ende der 90er Jahre André Rettberg, Chef von Libro, die Aufhebung des fixen Ladenpreises vor der EU-Wettbewerbskommission propagierte, war die Aufregung in der Branche groß. Bis dato hatte jedes Buch einen fixen Ladenpreis, der nicht unterschritten werden durfte. Die Aufhebung des fixen Buchpreises hätte kleinere Buchhändler und damit auch kleinere Verlage enorm unter Druck gesetzt.
Arno Kleibel, Verlagsleiter des Otto Müller Verlages in Salzburg und Vorstandsmitglied des österreichischen Verlegerverbandes, skizziert die Folgen einer möglichen Aufhebung der Buchpreisbindung:

O-TON-KLEIBEL
Aufhebung des Ladenpreises ... größte Katastrophe ... 20 % billiger ...

SPRECHER
Die Interessensvertreter der IG-Autoren, des Hauptverbandes des österreichischen Buchhandels und der damalige Staatssekretär Wittmann konnten die Wettbewerbskommission in Brüssel überzeugen, dass es einen fixen Ladenpreis für Bücher in Österreich geben musste. Im Juni 2000 wurde schließlich bereits unter Staatssekretär Morak das neue Buchpreisbindungsgesetz, das in der Folge auch für die deutsche Gesetzesnovelle Pate stand, finalisiert. Die Branche feierte das Buchpreisbindungsgesetz wie einen Sieg David gegen Goliath:

O-TON-KLEIBEL
Morak vorher als ÖVP Politiker der Meinung, dass auch im Buchhandel der freie Wettbewerb herrschen sollte ... konnte auch überzeugt worden ...

SPRECHER
Das billige und qualitative Buch ist in den Augen von Klaus Mitterbauer jedenfalls eine Illusion:

O-TON-MITTERBAUER
Billiges buch ist eine schimäre ...schiefer einziehen jetzt aus der schweiz

SPRECHER
Der Kampf um das Geschäft mit den Bestsellern ist auch ohne Buchpreisbindung ein harter Verdrängungswettbewerb, bei dem die kleinen Buchhandlungen den großen Buchhandlungsketten auch bei gleichen Buchpreisen unterliegen. Die mittlerweile insolvente Buchhandelskette LIBRO war eine solche Buchhandelskette. Klaus Mitterbauer:

O-TON-MITTERBAUER
Ich habe als Purist angefangen! Wollte scarlat nicht nehmen , vertreter hat geagt nehmen sies, auf anfrag verkauft; am 2. jänner alle verkauft ... wie dann libro ... 2/3 der schnelldreher genommen ... habe ich abfangen können ... lebe nur bedingt von schnelldrehern ... lebe von kunden .. nicht von bestsellerlisten

SPRECHER
Die Buchhandelskette LIBRO ist heute ein Stück österreichischer Wirtschaftsgeschichte: Vom Aufstieg zum größten Buchhändler Österreichs und sechs größten Buchhändler des deutschsprachigen Raumes bis zum tiefen Fall in den drittgrößten Konkurs der 2. Republik.
Die Chronologie der Ereignisse:

SPRECHER 2
1978: die Buchhandelskette "Librodiskont" geht aus dem Wlaschek-Imperium als 100-prozentige Billa-Tochter hervor.
1984: die Billa-Chefs Karl Wlaschek und Veit Schalle übertragen dem visionsreichen André Rettberg die Sanierung der Kette.

Tobias Hierl, Chefredakteur des internationalen Buchmagazins „Buchkultur“:

O-TON-HIERL
Am Anfang war es eine sehr sympathische kleine Kette, die auf modernes Antiquariat gesetzt hat ... angenehme alternative

SPRECHER 2
1997: die Unternehmens Invest AG, die Deutsche Beteiligungs AG sowie Rettberg und Vorstand Johann Knöbl übernehmen die Kette. Libro gehört mit geschätztem 3,5 Mrd. S Umsatz zu den sechs größten Buchhändlern im deutschsprachigen Raum.
1998: Libro kauft den Oberösterreichischen Landesverlag mitsamt Amadeus und startet die Deutschland-Expansion.
1998: die Libro Ag betont die abschaffung der Buchpreisbindung
1999: startete Libro mit Lion.cc ins Internetzeitalter und will über eine Kooperation mit CyberTron ins Telefongeschäft.
10. November 1999: Börsengang, der eine Mrd. S einbringt. Zuvor beteiligt sich die Telekom Austria für 25 Prozent an Libro. Erlös: 1,2 Mrd. Rettberg wird "Manager des Jahres".

SPRECHER
Der Vertreter der Libro-Aktionäre Wilhelm Rasinger beschreibt die Entwicklung von Libro folgendermaßen:

O-TON-RASINGER
Einige wenige Investoren mit fremdkapital übernommen ... im zuge börsenganges ... innerhalb kürzester zeit ... sagftiger schnitt zu machen ...
es ist eine blase nach der anderen geplatzt ... und darüber hinaus ist stammgeschäft unter druck gekommen dazu unnötige streiterei um buchpreisbindung, die gigantische beträge gefordert hat ...

SPRECHER 2
2000: Das Deutschland- und Internetengagement drückten bereits massiv auf die Ergebnisse.
2001 Ende Juni schlittert Libro in die Pleite. Bei einem Umsatz von 5,6 Mrd. S (407 Mio. Euro) liegt der Verlust bei rund zwei Mrd. S (145 Mio. Euro).

SPRECHER
Die Ironie der Geschichte wollte es, dass ausgerechnet der Befürworter der Aufhebung des fixen Ladenpreises und Proponent eines uneingeschränkten Wettbewerbes im Buchhandel, dem zunehmend härter werdenden Wettbewerb in der Buchbranche als allererster erlag:

O-TON-HIERL
Idee die hinter libro ... fatal und erbärmlich ... man hat versucht ... mit kulturgut banales geschäft ... es zu verkaufen wie bananen ... nicht funktioniert kann ganz nett sein ...

SPRECHER
Die Verantwortung für den Libro-Konkurs liegt für Wilhelm Rasinger bei allen Beteiligten, allen voran beim alten Vorstand mit André Rettberg und Josef Knöbl

O-TON-RASINGER
Verantwortlich management: Rettberg, ... aufsichtsrat ... wirtschaftsprüfer, auch die haben besseren einblick gehabt ... haben euphorische stimmung begünstigt ... nicht mit der notwendigen strenge auf entwicklung hingewiesen ...

SPRECHER
Tobias Hierl, Chefredakteur von Buchkultur:

O-TON-HIERL
Leute sind auf der Straße gestanden, nur weil ein Nachwuchscäser eine position erobern wollte, obwohl er nicht einmal die bücher gelesen hat, die er verkauft hat ...

SPRECHER
Die Rechnung bezahlt wie immer der sogenannte kleine Mann, in diesem Fall die Kleinaktionäre, Kreditgeber gleichermaßen wie die Banken, aber laut österreichischem Gesetz schlechter gestellt als die Banken:

O-TON-RASINGER
Die Banken haben aus dem ausgleich eine quote bekommen, für den aktionärer nichts vorgesehen .. aktionär noch schlechter gestellt als banken

SPRECHER
Das letzte Kapitel der Geschichte des Libro-Konzerns wurde im November aufgeschlagen: Der frühere ÖVP-Obmann und Industrielle Josef Taus erwarb die Reste des einstigen Papier- und Buchhandelriesen um fünf Millionen Euro. Die Fillialen sollen großteils erhalten bleiben – zumindest für das Weihnachtsgeschäft.

O-TON-RASINGER
Habe den eindruck wird immer mehr zum ramschladen ...

JANDL SPRECHGEDICHT:
Tohuwabohu

SPRECHER
Das überzogene und missglückte Engagement von Libro in Deutschland hatte zumindest eine Binsenweisheit in der österreichischen Buchhandelsbranche zur Grundlage: Es gilt, den deutschen Markt zu erobern. Auch und gerade für österreichische Autoren und Verlage. Doch ein erfolgreiches Engagement in Deutschland ist enorm kosten- und zeitintensiv. Tobias Hierl:

O-TON-HIERL
Ich brauche Vertreter .. riesiges Areal, das schafft man nicht ... die müssen bezahlt werden .. . die müsste öst. Verleger zuerst einmal vorfinanzieren ... kann sich keiner leisten , deswegen vertriebskooperationen ... deswegen normalerweise öst. Bücher in deutschland exotisch;

Die Vertriebskooperationen des Tiroler Haymon-Verlages mit der Deutschen Verlagsanstalt oder die Zusammenarbeit von Deuticke mit dem deutschen Eichborn-Verlag belegen diesen Trend. In den 70er Jahren, als der Residenz-Verlag noch ein Privatverlag war, konnte der Acker noch leichter bestellt werden. Gustav Glöckler:

O-TON-GLÖCKLER
Residenz unter Schaffler auf ein verkauftes buch in österreich zwei bücher in deutschland verkauft ... möglichkeit aktiv zu leben ... heute kommt auf ein öst. Verkauftes buch ½ verkauftes in deutschland ... stimmt die rechnung nicht ... man muss absatz in deutschland erhöhen und ... ab und zu titel für breiteres publikum ... nicht nur elitäre gruppe entspricht ...

SPRECHER
Die Abhängigkeit vom deutschen Markt führt in vielen Fällen dazu, dass österreichische Erfolgsautoren zu deutschen Verlagen wechseln, wie Martina Schmidt, Cheflektorin von Deuticke und Residenz beklagt:

O-TON-SCHMIDT
Ich fänds ganz toll, ... wenn wir so weit sind, dass öst. Autoren nicht zu einem deutschen verlag gehen müssen ... das wäre etwas was erst zu schaffen wäre

SPRECHER
Zum einen ist also eine dicke Brieftasche, mit der Vertreter in Deutschland bezahlt werden können, für österreichische Verlage unumgänglich.

O-TON-HIERL
Zum zweiten muss ich in ketten vertreten sein, wichtig, dass ich einen termin bekomme, da wird zentral eingekauft ... wenn die sagen, das buch passt nicht, dann fallen mir diese ketten raus ... dann verkaufe ich um einige tausend stück weniger ...

SPRECHER
Neben dem Libro-Konkurs beschäftigte eine zweite massive Veränderung die österreichische Buch- und Verlagsbranche in den letzten Wochen und Monaten: der bevorstehende Verkauf des größten österreichischen Verlages, des österreichischen Bundesverlages. Im Sommer 2001 war der Finanzminister vom Parlament ermächtigt worden, die Privatisierung des Staatsunternehmens auszuschreiben. Nach zähen Verhandlungen ist mittlerweile nur noch ein Anbieter übriggeblieben: Der deutsche Klett-Konzuern mit einer kolportierten Verkaufssumme von 18,5 Millionen Euro.

SPRECHER 2
Der ÖBV war zu Zeiten Maria Theresias als Schulbuchverlag gegründet worden. Zuvor war der Bildungsbereich ausschließlich in Händen der katholischen Kirche. Bis 1848 hatte der ÖBV ein Monopol für Schulbücher in der gesamten Donaumonarchie. Und auch unter dem Nazi-Regime bewahrte der ÖBV seine Identität, indem es als eines von ganz wenigen österreichischen Unternehmen den Namen „österreichisch“ in seiner Firmierung beibehalten konnte.

SPRECHER
Ein Stück „österreichischer Identität“, das nun zu einem Zeitpunkt, wo die Buchbranche in einer Krise sei, wie Tafelsilber billig verschleudert werde, so die Kritiker der geplanten Privatisierung.

Gerhard Ruiss, Vorstand der IG-Autoren, gehört zu den Kritikern eines überhasteten Verkaufs:

O-TON-RUISS
Eine der ideen des ÖBV war .. eigenstädnige produktion aufzubauen ... nicht wie in erster republik produktion dem benachbarten deutschland zu überlassen ... verkauf des öbv jeder öffentlichen diskussion entzogen worden ... erstaunt ... dass ein österreichischer verlag, dass man so einen verlag wegerledigen kann, ohne zu fragen ...

SPRECHER
Neben der Kritik an Vorgansweise, Zeitpunkt und Verkaufssumme der geplanten Privatisierung, stehen vor allem Zweifel, inwieweit die zum ÖBV gehörenden Publikumsverlage Residenz, Deuticke und Brandstätter weiterbestehen werden, drei österreichische Verlage, die einen erheblichen Teil der österreichischen Nachkriegsliteratur abdecken.
Die Kultursprecherin der SPÖ, Christine Muttonen, formuliert die offenen Fragen folgendermaßen:

O-TON-Muttonen
Wie wird der Kulturauftrag von neuem Eigentümer wahrgenommen werden ?

SPRECHER
Branchenkenner gehen davon aus, dass Klett im Falle des Zuschlags vor allem am Schulbuchprogramm des ÖBV interessiert ist und die Literaturverlage als Klotz am Bein empfinden würde, den man bei nächster Gelegenheit abstoßen würde.

O-TON-RUISS
Natürlich, und dann Tschüss! Niemand kann davon ausgehen ... es gibt keine gesellschaftliche verpflichtung ... das motto muss heissen zurück an den Start der Debatte...

SPRECHER
Die Cheflektorin der Publikumsverlage Deuticke und Residenz, Martina Schmidt, stört vor allem die Situation der Ungewissheit, die es ihr weder ermöglicht ihre künftigen Programme vernünftig zu programmieren und zu kalkulieren, noch verunsicherte Autoren am Rückzug aus dem Verlag zu hindern:

O-TON-SCHMIDT
Wir haben zwei jahre ... große verunsicherung ... mit vielen partnern hunderte diskussionen ... wie lange gibt es euch denn noch .... kann niemand ungeschehen machen lassen ...
Wenn jemand garantiert, dass der österreichische staat bereit ...

SPRECHER
Die Unsicherheit wird vorerst prolongiert. Gustav Glöckler, der 47% am Schulbuchverlag ÖBV-hpt mit einem Vorkaufsrecht für die Mehrheit am Schulbuch hält, teilt die Sorgen der Beteiligten nicht:

O-TON-GLÖCKLER
So viel ich gehört habe, wünschen sich die autoren einen neuen eigentümer ...

Paulus Hochgatterer:
O-TON-HOCHGATTER
Das mag für manche zutreffen, ich bin da eher skeptisch ... ich hatte den eindruck, dass eh gar nicht so schlecht funktioniert hat... bin eher vorsichtig ....

SPRECHER
Der Verkauf des ÖBV scheint nur noch eine Frage der Zeit: Unabhängig vom Zeitpunkt der Privatisierung geht für ihre Befürworter damit auch ein österreichischer Anachronismus zuende, der in neoliberalen Zeiten ausgedient hat, ist doch der ÖBV heute der einzige staatliche Schulbuchverlag Europas. Ein weiteres Argument der Befürworter des Verkaufs stellt die wettbewerbsverzerrende Quersubvention innerhalb des ÖBV dar. Die anfallenden Defizite aus den Publikumsverlagen wurden aus den Erlösen des Schulbuches gedeckt. Defizite, die beispielsweise bei Residenz trotz Verlagssubventionen erwirtschaftet wurden. Eine Wettbewerbsverzerrung wie Arno Kleibel, Leiter vom Otto Müller Verlag, einem rein privatwirtschaftlichen Verlag, betont:

O-TON-KLEIBEL
Es ist eine wettbewerbsverzerrung ...

SPRECHER
Arno Kleibel hat vor drei Jahren die Umsatzzahlen des Residenz-Verlages im Salzburger Handelsgericht eingesehen:

O-TON-KLEIBEL
Der Residenz-Verlag hat eine Verschuldung ... jahren die ich eingesehen habe ... eine unverantwortliche verluste geschrieben ... konsequenz ... dass jochen jung gekündigt wurde ...

SPRECHER
Ein kleiner, privater Verleger wie Arno Kleibel beackert den deutschen Verlag ohne Vertriebskkoperation mit einem deutschen Verlag. Er setzt auf den mühsamen und gesprächsintensiven Kontakt mit Vertretern und rührigen Buchhändlern. Buchhändlern wie Klaus Mitterbauer, für die die Realität auch weiterhin im Detail liegt. Ob Libro, Deutschland oder Bestseller: jeder Kundenwunsch zählt:

O-TON-MITTERBAUER
Die wirklichkeit ist kleinteilig ...vom reclam übers taschenbuch ... dann wieder ein großer bildband zwischendurch ein schöner roman... schöne kinderbücher und das ist eine große Freude ...

MUSIK
Ginsberg: The subject is meditation and poetry ...

O-TON-Mitterbauer
Ich bin jetzt 12 Jahre da, und da waren kinder die sind hereingekommen mit 4 jetzt sind sie 16, ... oder 10 und jetzt sind sie 22 ... und dann sieht man wie sich ihre lesegewohnheiten verändern ... wie man ihnen neue impulse setzen kann ... wie sie selber zum suchen anfangen wie man ihnen türln aufmachen kann ....

MUSIK
Teatcher Blues: Thank you for inspiring me for this song

O-TON-MITTERBAUER
So wie ein Maurer eine Befriedigung hat wenn er die Häuser sieht, die er gebaut hat .. man sieht dann leute die gelernt haben zu lesen , die gelernt haben differenziert zu denken .... die wach sind, die neugierig sind , das ist dann die befriedigung, den hats einmal nicht gefreut, aber jetzt liest gern!

JANDL SPRECHGEDICHT:
Wir wünschen allen alles Gute

Musikbeispiele aus:
10 Jahre Schule für Dichtung, Residenz 2002;
Ernst Jandl: Bist Eulen? Extraplatte, 2002;

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CHAPAPOTE – Freiwillige säubern die Küste Galiziens nach der Prestige-Katastrophe

ANSAGE
Wenn Sie einen Euro-Geldschein mit einem schwarzen Strich an der nordspanischen Küste in der Hand halten, wundern Sie sich nicht. Er wurde sicher von einem der vielen tausenden Freiwilligen markiert, die zurzeit die Küste Nordspaniens von Ölklumpen säubert. Die Havarie des Unglückstankers Prestige im November 2002 vor der galizischen Küste zog die bislang schwerste Umweltkatastrophe an der ohnehin von Tankerunfällen geplagten Küste Galiziens nach sich. Kommentatoren sprechen von einem spanischen Tschernobyl. Ein Heer von Freiwilligen, das die Küste Galiziens und Cantabriens säubert, erteilt der spanischen Regierung Aznar eine Lektion in Sachen akuten Krisenmanagements. Ein Lebenszeichen der spanischen Zivilgesellschaft.

1.TAKE 01 CD 1 GESAMT: 18,9 SEC.
O-TON Freiwilliger:

Soy un phenomeno ... aznar miedo … fiesta impressionante

SPRECHER 2 (ÜBERSETZUNG)
Ich bin ein Phänomen, ich bin die Nummer 1 von Spanien, ich heisse Ruben, Aznar: Angsthase, als Präsident, Aznar, klar, hier gibt es eine riesen Party, wir sind hier, um den Galliziern zu helfen, natürlich.

2.TAKE 01 CD 2 (nach 7 SEC. Setzt Sprecher ein! Bis zum Ende drüberstehen lassen)

San lugar … (Lautsprecher-Atmo)

SPRECHER 1
Das Hafengelände vor der „Cofradia de Pescadores“, der Fischereibehörde von Muxia, scheint von Hunderten Astronauten bevölkert: Hunderte Freiwillige in weißen Overalls, mit Schutzbrillen ausgerüstet, warten auf ihren Abtransport an den Strand. Ein Wortfetzen ist immer wieder zu hören: CHAPAPOTE. Um Chapapote dreht sich alles hier in Muxia. Es ist ein mexikanisches Wort und heißt so viel wie: Ölscheisse. Die Region rund um die kleine Küstenstadt Muxia gehört nach der Havarie des Unglückstankers Prestige vor der Küste Galiziens, zu den am stärksten verschmutzten Küstenregionen Galiziens.

3.TAKE 02 CD 2 GESAMT 1:03,6 (nach 7 Sekunden Sprecher wieder einsetzen, drüberstehen lassen)

(ATMO AUTOBUS Rückwärts)

SPRECHER 1
Ein alter klappriger Autobus bringt die Freiwilligen an den Strand. Ein Heer von Freiwilligen, das nicht nur aus ganz Spanien, sondern aus der ganzen Welt hierher gekommen ist, um den Strand vom Schweröl der Prestige zu reinigen. Dazu gehören auch Immigranten aus Rumänien oder dem Senegal.

4. TAKE 02 CD 1 GESAMT 47 SEC.
O-TON- FREIWILLIGER: LOS REIES MAGOS

LA COSTA de la muerte a parte de mundo … somos los reies magos …
Coger chapapote a .. todos los politicos. … a bush y bin laden chapapote ….
A la costa -….este mar

SPRECHER 2 (ÜBERSETZUNG)
La Costa de La muerte heisst sie, das ist das Zentrum der Costa de La Muerte, wir sehen eine Menge Öl-Scheisse, die hier ist, durch das Fenster, darüber redet halb Europa, ein Teil der Welt, Scheisse, und ich bin vom Orient, wir sind die heiligen drei Könige, Caspar, Balthasar und Melchior, wir sind hierher gekommen, um Chapapote zu sammeln, und allen Politikern der Welt zu überbringen, deswegen sind wir hier, wir werden Aznar Chapapote bringen, wir werden Fraga Chapapote bringen, und Busch und auch Bin Laden wird Chapapote dieses Jahr bekommen, deswegen sind wir hierher gekommen, weil die Küste gestorben ist...

SPRECHER 1
Die Strände an der „Costa da muerte“ sind mittlerweile von den großflächigen Ölteppichen gesäubert. Doch nun wartet die größere Arbeit. Täglich werden neue, kleine Ölflecken an die Küste geschwemmt, eine Sisyphusarbeit, die wenig Erfolserlebnisse bereithält.

5.TAKE 03 CD 1 45, 7 (Letzten 12 Sec. Atmo stehenlassen)
O-TON-Freiwillige: Arbeit für Chinesen

quitando chapapote … trozos muy pecenos … trabajo de chinos … anos …
hablando … y quitando mierdo …

SPRECHER 2 (ÜBERSETZUNG)
Chapapote sammeln, es könnte leichter von der Hand gehen, die Öl-Scheisse von den Stränden zu sammeln, aber es ist sehr unangenehmen, überall bleiben Reste kleben, fatal, sehr kleine Stücke, eine Arbeit für Chinesen, das wird Jahre dauern, obwohl sie sagen, es ist nichts, so sind unsere Regierungen, sagen es ist nichts, reden und reden und hinterlassen Scheisse.

SPRECHER 1
Vor der „Cofradia de Pescadores“ nützen einige versprengte Freiwillige die Präsenz von Fernsehkameras und Mikrofonen, um gegen das nachlässige Krisenmanagement der Regierung zu protestieren. Gemeint ist vor allem der spanische Ministerpräsident Aznar, der Mann mit dem Chaplin-Schnurrbart.

6. TAKE 04 CD 1 8 Sekunden (6 Sekunden Atmo drüberstehen lassen)
O-TON-DEMONSTRANTEN
con tu bigote limpia chapapote …

SPRECHER 2 (ÜBERSETZUNG)
Mit Deinem Schnurrbart sammle Chapapote.
Mit Deinem Schnurrbart sammle Chapapote.
Mit Deinem Schnurrbart sammle Chapapote.

SPRECHER 1
Ein Fischer von Muxía zeigt sich von der improvisierten Demonstration unbeeindruckt, für ihn scheint eine Welt untergangen zu sein.

7. TAKE 5 CD 1 21,7 sec.
O-TON-Fischer 1 MUXIA

ruina … es una ruina … total …

SPRECHER 2 (Übersetzung)
Pensionierter Fischer
Ein totaler Ruin, das wird einige Jahre dauern, man kann nicht fischen, nichts mehr zu essen, es ist der Ruin, ich habe nichts mehr zu sagen, total.

SPRECHER 1
Im Moment ist ein Großteil der spanischen Küste Galiziens bis in den Golf von Biskaya für den Fischereibetrieb gesperrt. Der Trubel rund um die Säuberung der Küste hat den positiven Effekt, die Fischer von der Tragödie abzulenken. Sie laufen jeden Tag aus, um nach den Anweisungen der Helikopter Ölklumpen aufzufischen. Doch viele Fischer wie Luis fragen sich, was sie machen sollen, wenn die Küste einmal oberflächlich gereinigt ist?

8. TAKE 6 CD 1 37,6 sec.
LUIS, Fischer 2
problema mas grande … cuanda acaba limpiar … entonces … emigrar otra vez... Miedo va ser a lo largo … seis meses …

SPRECHER 2 (ÜBERSETZUNG)
Zur Zeit kann man in keine Richtung auslaufen, so lautet der Befehl der Regierung, das größere Problem wird aber sein, wenn das alles zuende ist, wenn die oberflächliche Reinigung abgeschlossen ist, was wird mit den Fischern sein, das Meer wird weiterhin verschmutzt sein, werden sie die Fischer arbeiten lassen? Sie werden sich fragen, ob sie noch einmal emigrieren sollen, erst wenn das aufhört, wird die Angst kommen, die Angst wird am größten sein, wenn das alles zuende ist, sie haben von 6 Monate Sperre gesprochen.

SPRECHER 1
Sebastian Losada, Koordinator der Hochseeaktivitäten von Greenpeace in Galizien, beschreibt die Gründe, warum das Schweröl des Tankers „Prestige“ für die Umwelt besonders schädlich ist. Und warum eine Ölpest ein rasches Handeln wie bei einem Waldbrand erfordert:

9. TAKE 7 CD 1 52,07 sec
SEBASTIAN LOSADA (Greenpeace)

heavy oil … diving in different places … mixed with sand … for years …
a lot of time … impact … places where oil … long turn affects … long time on sediments ….

SPRECHER 2 (ÜBERSETZUNG)
Es ist ein sehr schweres Öl, sehr giftig, und ein weiteres Problem ist, dass es sehr reich an Substanzen ist, die sich in Organismen einnisten können, um in die Nahrungskette einzudringen, und wir haben das schon gesehen, wir haben an verschiedenen Plätzen getaucht, wenn das Öl den Strand erreicht hat, vermischt sich das Öl mit Sand und geht auf Grund, weil es dann schwerer ist als das Wasser. Und wenn es einmal auf Grund ist, wird es dort sein für Jahre, weil der Abbau des Öls sehr lange dauern wird. Das gibt uns einen Hinweis über die Wirkung, die das Öl haben wird, natürlich gibt es eine erste oberflächliche Einwirkung da, wo das Öl die Oberfläche bedeckt, das heisst, es gibt kein Licht, und das verhindert den Abbau des Öls. Es gibt aber auch Langzeiteffekte, die damit zu tun haben, dass sich das Öl sedimentiert.

SPRECHER 1
Einige Kilometer südlich von Muxia liegt die Stadt Finistierre. Hier haben Tiermediziner, Freiwillige wie die anderen Tausenden von Helfern, in einer Pension eine kleine Tierklinik eingerichtet, in die sie verseuchte Vögel bringen und behandeln. In letzter Zeit bringen sie fast ausschließlich tote Tiere mit.
Dem Nylonsack, in dem einige tote Kormorane und Möwen liegen, entströmt ein fauler, ölhaltiger Geruch. Der Tierarzt, Son Ramon, demonstriert die übliche Behandlung der Tiere:

10. TAKE 8 CD 1 1:08,4 sec (ATMO REIN BEI: “BEHANDLUNG”)
SON RAMON, Veterinärmediziner
Todos muertos .. Frailecillos … liquido … anillado … a petrolear … recuperado … volvio otra vez … con parafina … unos dias muerto … ultima tormienta …

SPRECHER 2 (ÜBERSETZUNG)
Alle Tod ... das sind Papageitaucher... Wir öffnen den Schnabel und führen eine Sonde ein, das sind Frailecillos, eine feinere Sonde, und wir spritzen ein Serum, hier sieht man einen, der einen Ring hat, er wurde freigelassen und hat sich wieder mit Öl vergiftet, er hat sich schon wieder erholt und wurde noch einmal kontaminiert, deswegen der Ring. Danach säubern wir die Vögel mit Parafin, von allen Seiten. Dieser Vogel ist schon einige Tage tot. Der letzte Sturm hat sie an die Küste getrieben. Aber dieser Vogel ist schon ziemlich lange tot.

SPRECHER 1
Nicht nur in Galizien stellt man sich die Frage, wie es zu dieser Katastrophe kam und warum sie so verheerende Ausmaße annehmen konnte. Und damit auch: Wer ist zur Verantwortung zu ziehen?

Die Chronologie der Ereignisse:

SPRECHER 2
13. November 2002, 14.15 Uhr: über den Kanal 16 ruft der griechische Kapitän der Prestige, Ioannis Mangouras, MAYDAY. Das ist der internationale Funkspruch für Schiffe in Seenot. Der Tanker hat steuerbord ein Leck. Er veranlasst die Evakuierung der Mannschaft. Die Mannschaft hat die Kollision mit dem Container wie eine „Explosion“ erlebt. Ein Krisenstab wird gebildet. Aufgrund des Lecks sind bereits
10 000 Tonnen Wasser im Schiffsinneren. Der griechische Kapitän akzeptiert, in Schlepptau genommen zu werden.

14. November: Das Schlepptau reißt immer wieder. Die Prestige treibt bereits 5 Meilen vor Muxia. Schließlich gelingt das Schleppmanöver mit Hilfe der holländischen Bergungsfirma SMIT. Der Krisenstab gibt den Befehl, das Schiff 120 Meilen auf hohe See schleppen zu lassen, ohne die Möglichkeit, vor Muxia vor Anker zu gehen, in Erwägung zu ziehen.

15. November, Gegen 11 30 informiert der Pilot eines Helikopters, dass die „Prestige“ bereis große Mengen an Öl verliert. Noch immer besteht der Krisenstab darauf, das Schiff 120 Meilen auf hohe See zu schleppen. Der griechische Kapitän wird verhaftet. Die holländische Firma übernimmt das Kommando über die Prestige. Ein großer Teil der „Costa de la muerte“ ist bereits mit Öl verseucht. An der Küste bittet man um Unterstützung.

17. November Der Riss in der Flanke der Prestige beträgt bereits 50 Meter.
Das Notfall-Schlepptau des chinesischen Schleppers „De Da“ ist erfolgreich.

18. November: Eine portugisische Fregatte verbietet, die Prestige in die ökonomische Zone Portugals zu schleppen.

19. November: Die Prestige bricht in zwei Teile und sinkt gegen 10 Uhr 40.

Dezember 2003: Täglich treten 150 Tonnen Schweröl aus den lecken Tanks der Prestige aus. Die ersten Ölflecken erreichen den Golf von Biskaya.

3.1.2003 Die ersten Ausläufer des Schweröls der Prestige erreichen die französische Küste südlich von Bordeaux

8.1.2003 Das Öl erreicht die portugiesische Küste.

SPRECHER 1
Als der Tanker „Prestige“ auseinanderbrach und auf 3500 Meter Tiefe sank, stellten sich die meisten Beobachter wie Sebastian Losada von Greenpeace, die Frage, warum der Tanker nicht in einen Hafen geschleppt und dort ausgepumpt wurde:

11 TAKE 9 CD 1 28 sec
SEBASTIAN LOSADA

closet place should have been La Coruna … ship 6 days with bad weather without breking … last year they did a simulation … surrounded … safe tanker … success … accident like this happen … contrari … as far as possibile ..

SPRECHER 2 (ÜBERSETZUNG)
Der nächste Hafen wäre La Coruna gewesen, wenn sie die Mittel gehabt hätten, es wäre ein sicherer Platz gewesen, man muss bedenken, dass das Schiff 6 Tage auf hoher See bei schlechtem Wetter, ausgehalten hat, ohne auseinanderzubrechen, also hätten sie auch die Zeit gehabt, das Öl umzupumpen, aber noch einmal: man braucht die Mittel dazu, man muss die Leute vorbereiten. Letztes Jahr haben sie eine Simulation eines Öl-Unfalls durchgeführt, und was sie gemacht haben und vorhatten, war, einen havarierten Öl-Tanker in den Hafen von La Coruna zu schleppen, ihn mit Barrieren zu umgeben und das Öl in einen sicheren Tanker zu pumpen. Die Übung verlief erfolgreich, das Ergebnis der Simulation war, dass Zeitplanung und Organisation in so einem Fall sehr wichtig seien, wenn ein Unfall wie dieser passiert. Und dann kam die reale Situation und sie taten genau das Gegenteil, sie versuchten das Problem zu verstecken, und das Schiff so weit wie möglich hinauszuschleppen.

SPRECHER 1
Die Entscheidung der Regierung, das Schiff auf hohe und stürmische See zu schleppen, in der Hoffnung, eine Katastrophe zu verhindern, erinnerte nicht nur den Veterinär Son Ramon an ein Kind, das seine Augen mit den Händen zuhält, und behauptet, es sei verschwunden.

12. TAKE 10 CD 1 41,7 sec
SON RAMON, Veterinär

sigue despendienda 150 toneladas diarias mas o menos … manchas … son manchas muy disiminadas … zones con pquenas manchigas … mucho peor …
menos fauna …esta legando a francia … punto de vista … oecologia …desastre oecologica nunca …

SPRECHER 2 (ÜBERSETZUNG)
Es schaut so als ob das Schiff noch immer 150 Tonnen täglich verliert, wie die Presse berichtet, das Schiff hat Lecks, es kommen noch immer Öl-Flecken an die Küste, das Problem ist, dass sie mittlerweile sehr zerstreut sind, es gibt Zonen mit kleinen Öl-Flecken, aus ökologischer Sicht, sind die kleinen viel schlimmer als größere Öl-Teppiche mit viel Öl, weil diese weniger Zonen affizieren würden. Für mich ist es ein ökologisches Desaster, in einem Ausmaß, das ich noch nie gesehen habe.
SPRECHER 1
Nach dem Unglück stritten Experten, wie die Flut des Erdöls zu stoppen sei:
Während die einen Gedankenspiele entwickelten, die lecken Tanks anzubohren und es mit Hilfe von erhitzten Schläuchen dünnflüssiger zu machen und so aus 3500 Meter an die Oberfläche zu pumpen, behaupteten Politiker wie der galizische Regierungschef Manuel Fraga, das Öl werde bei der Tiefseetemperatur von 2 Grad ohnehin schnell verklumpen, für San Ramon und andere Experten eine allzu optimistische Einschätzung.

13 TAKE 11 CD 1 59,2 sec.
VETERINÄR 1 SON RAMON

temperatura … nunca solidificarse … tipo plastico … ejerciendo … und pasta de dientes … va soltando …

SPRECHER 2
Das Schiff ist voller Öl und es ist ein sehr dickfüssiges Öl, es muss erhitzt werden, um es in die Tanks einfüllen zu können, deswegen muss es diese Temperatur erreichen, in 3500 Meter Tiefe hat es 2 Grad, da, wo das Schiff jetzt ist, wird das Öl verklumpen, aber es wird nicht so verklumpen wie sie es versprechen, dickflüssig ist dickflüssig, aber das ist nicht dickflüssig, es ist wie flüssiges Plastik, das herausströmt. Laut Experten ist es wie eine Zahnpasta. Und je mehr Öl austritt, desto größeren Druck wird es auf den Schiffsrumpf ausüben, und das ist viel schlimmer, weil weiter kontinuierlich ein wenig Öl kommt, noch schlimmer, wenn es tröpfchenweise in geringer Quantität austreten wird, und das alles wird, in welcher Form auch immer, an der Küste ankommen.

SPRECHER 1
Je aussichtsloser der Kampf gegen das Öl in 3500 Meter Tiefe scheint, umso heftiger scheint sich der Zorn der betroffenen Bevölkerung gegen die Regierung Aznar zu artikulieren. Dem Ministerpräsidenten wird nicht nur die verheerende Entscheidung rund um den Untergang der Prestige, sondern auch mangelndes Rückgrat vorgeworfen:

14. TAKE 12 CD 1 51,8 sec.
SEBASTIAN LOSADA
…it took 1 month to come aznar … on 2 am he knew that he would have a very big response … big police … bad terms … he didn even go to affected placet … significative whats happening here …

SPRECHER 2 (Übersetzung)
Aznar kam erst nach einem Monat hierher, und man wusste er würde um 2 Uhr in der Nacht kommen, er wusste, dass, wenn die Leute wüssten, dass er kam, er mit großem Widerstand zu rechnen hätte, trotzdem haben eine Menge Leute auf ihn gewartet, es gab ein ungeheueres Polizeiaufgebot gegenüber den Demonstranten, ziemlich brutal, er ging nicht einmal zu den verschmutzten Plätzen, er kam, traf ein paar Leute in einem offiziellen Gebäude und fuhr zurück nach Madrid. Das ist sehr symbolisch für das, was hier passiert.

SPRECHER 1
Die Vorwürfe gegenüber der Regierung Aznar betreffen nicht nur das mangelnde Krisenmanagement. Die Betroffenen in Galizien kritisieren auch die völlig unzureichende Bereitstellung von Ausrüstung zur Krisenbewältigung durch die lokalen und nationalen Behörden. Der Vorsitzende des Fischereivereins in Canga ist mittlerweile in einen Hungerstreik getreten: Er möchte damit auf die Bedrohung der Rías Baixas, der größten Muschelbänke Europas hinweisen. Man bräuchte 36 000 Meter Ölbarrieren oder 10 000 Freiwillige mit Schutzanzügen. Wie er, fühlen sich viele von der Regierung in Stich gelassen. Für Son Ramon hat die mangelnde Versorgung mit Hilfsgütern System:

15. TAKE 13 CD 1 1,06 sec
SON RAMON
privatizar monton de errors … no hay remolcadores … preparado … material … estado no es nada … remolcadores potentes … 8 kilometros de barreras … desmantelman … politca partido popular …

SPRECHER 2
Die Administration beschloss, den gesamten öffentlichen Dienst zu privatisieren, dabei haben sie einen Haufen Fehler gemacht, sie haben es schlecht gemacht, es fehlt an Mitteln, eine Zone wie diese, es gibt keine Schlepper der eigenen Regierung, es gibt kein ausgebildetetes Personal, und vor allem keine adäquate Ausrüstung. Man sieht dabei, was herauskommt, wenn der Staat nichts ist, wenn alles privatisiert ist, denn wenn es starke potente Schlepper gäbe, hätte man das Schiff in ruhiges Gewässer schleppen können. Hier gab es insgesamt vielleicht 8 km Ölbarrieren zur Eindämmung der Verschmutzung, 8 km, eine Zone wie diese, was macht man mit
8 Kilometern? Es ist die Demontage des Staates einer Politik der Privatisierung, einer Politik, die die Partida Popular hier in Spanien verfolgt.

SPRECHER 1
Es ist offensichtlich, wie mangelhaft die Regierung für Katastrophen gerüstet war: Die Schlepper, die für derartige Notfälle vorhanden sind, sind durchschnittlich 22 Jahre alt. Für das Schlepptau musste eine holländische Firma in Anspruch genommen werden, für das Absaugen des Öls das deutsche Spezialschiff Neuwerk. Und das französische Spezial-U-Boot Nautile versucht, in 3500 Metern Tiefe, die Lecks abzudichten. Und all diese nötige Hilfe sei aufgrund falsch verstandenen Stolzes auch viel zu spät angefordert worden. Das alles kritisierte von Anfang an die von Ökologen, Intellektuellen, Buchhandlungen, Künstlern und vielen anderen Gesellschaften geschaffene Plattform „Nunca Mais“, was so viel heißt wie „Nie Wieder“. Xavier Santos, Sprecher der Plattform „Nunca Mais“ in Muxia, präzisisert die Forderungen der Aktivisten.

16. TAKE 14 CD 1 1:04,4 sec
Xavier Santos
muy critica … la responsabilidades … al gobierno … de quien coorresponden … nosotros … gobierno hace nada o menos … algunos este tragsa … por el malfunctionamiento hasta este momente… al emolque …

SPRECHER 2 (ÜBERSETZUNG)
Die Position von „nunca mais“ gegenüber der Regierung ist sehr kritisch, in einem Maßnahmenkatalog fordern wir die Regierung auf, die Verantwortung zu übernehmen, in einigen Fällen Rücktritte derjenigen, die es betrifft.
Wir glauben, dass die Regierung in diesem Moment sehr wenig oder nichts macht, sie wirkt wie ferngesteuert und agiert weniger, sie macht nichts außer zum Beispiel diese Firma TRAGSA einzusetzen, jeder kennt die Probleme, die es mit dieser Firma gibt, dann wird ihr wieder der Auftrag entzogen, und seit 1. Jänner ist wieder die Behörde zuständig, die verantwortlich sein soll für all die schlecht funktionierenden Maßnahmen. So hinken sie den Ereignissen hinterher.

SPRECHER 1
Zu der mangelhaften Ausstattung mit Ausrüstungsmaterialen kommen Vorwürfe, einige machten noch ein Geschäft aus der Katastrophe: Die für die maritime Sicherheit verantwortliche Firma TRAGSA soll für die bezahlten Hilfskräfte von der Regierung 100 Euro pro Mann und Tag bekommen, und nur 35 Euro ausbezahlen. Mittlerweile trat auch schon der Verkehrsminister Galiziens, Xosé Cuina, zurück. Ihm wurde vorgeworfen, er hätte über Familienunternehmen tausende Schutzanzüge, Schaufeln und Container an staatliche Entsorgungsfirmen verkauft. Cuina wurde als Nachfolger des 80-jährigen galizischen Regierungschefs Manuel Fraga gehandelt. Fraga war einst Tourismusminister des Diktators Franco gewesen und wird auch als politischer Ziehvater Aznars bezeichnet.

17 TAKE 03 CD 2
ATMO: Auto starten ... Nachrichten … DARÜBER:

SPRECHER 1
Auf der Fahrt von Galizien nach Cantabrien an der Küste Nordspaniens begegnet einem die Katastrophe überall: Freiwillige arbeiten in weißen und blauen Overalls an den Küsten Asturiens und Cantabriens. Die Radionachrichten berichten ausführlich. Am Straßenrand steht ein Freiwilliger mit seinem weißen Overall, auf dem mit Filzstift steht: „Stirb, Aznar“
Der cantabrische Maler und Schafhirte Manuel Guazo Calderon hat im Angesicht der Prestige-Katastrophe jegliches Vertrauen in die Politik verloren:

18 TAKE 15 CD 1 19,4 sec.
Manuel GUAZO Calderon

el aspecto politico … no certa informacion … occultan tapa …

SPRECHER 2 (Übersetzung)
Ich habe schon lange die Schnauze voll von der Politik, seit langer Zeit, ich möchte nichts wissen, von denen, die uns regieren, die Regierenden haben jegliche Ethik abgelegt, in La Barcera haben wir einen Satz aus der Franco Zeit: „Todo está atado, y bien atado" – Wir haben alles unter Kontrolle, , sie verheimlichen alles, die Informationen sind sehr gut kontrolliert und die Privatsender verbreiten den Regierungsstandpunkt.

SPRECHER 1
Nach Ansicht von Manuel Guazo Calderon sollten nicht die Tausenden von Freiwilligen die Strände auf ihre Kosten reinigen:

19. TAKE 16 CD 1 1:30
GUAZO
es el estado … respecta … con ayuda de …la prensa national … de da cualquier … se dedica … exlusivamente que hace el gobierno …

SPRECHER 2 (Übersetzung)
Ich bin nicht einverstanden damit, ich denke, der Staat, die lokalen Behörden und die nationalen Behörden sollen es machen mit den Millionen von Arbeitslosen und sie dafür bezahlen. Die sollte das machen. Darüber hinaus wird, was Cantabrien betrifft, all das unter den Teppich gekehrt, was die Bewegung der „Ökologen in Aktion“ mit Hilfe der vielen Freiwilligen macht, mit unseren Mitteln, unserer Zeit, unserem Geld, unserer Gesundheit, trotzdem ist die lokale Presse bestochen, mehr als bestochen, ist sie ein Teil der regionalen Regierung, und weigert sich, über die Aktivitäten der Ökologen zu berichten. Jede Notiz, jede Information, die Presse, das Fernsehen widmen sich nur den Aktivitäten der regionalen Regierung mit der Unterstützung durch das Militär, mit ihren Zügen, Schiffen und Flugzeugen. Weiters, und das wird so weiter gehen, sind die Orte, von denen man Bilder sieht, die für den Tourismus wichtigsten Stellen, die Strände. Aber die Steilküsten, da, wo es mehr Leben gibt, mehr Meeresfrüchte, die werden vergessen, weil dort keine Touristen hinkommen, und diese Stellen säubern die Freiwilligen gemeinsam mit unseren Organisationen.

20. TAKE 04 CD 2 16,2 sec.
ATMO AUTO-NACHRICHTEN

SPRECHER 1
Die Freiwilligen wie Jesus Gonzalez arbeiten vor allem an den Wochenenden. Und sie bekommen nicht einmal ihre Spesen ersetzt:

21.
TAKE 17 CD 1 1:21,02
Jesus

22. TAKE 05 CD 2 1:20 insges.
ATMO NACHRICHTEN GESPROCHEN (GLEICHZEITIG)

JESUS
bastante cuidados … el turismo las playas … el fuel ha impregnado …
impossibile … paletas albanil … muy agradable de trabajo … sientes un poco .. ridicolo … un trabajo …limpiarlo … muy dificil … muy escendido … recuerdo … limpiando las playas … estaba al la costa … pequenas manchas …

SPRECHER 2 (ÜBERSETZUNG)
Es ist eine grüne Landschaft, die Wiesen in dieser Region sind sehr schön kultiviert, Rinder, und natürlich der Tourismus an den Stränden, das Öl hat die Felsen durchtränkt, es sind Strände, die sehr wenig Sand haben, es ist sehr schwierig, zwischen den Felsen das Öl zu entfernen, es klebt so stark an den Felsen, dass es quasi unmöglich ist, man muss das Öl abkratzen mit Feuerschaufeln oder Maurerkellen;

Es ist eine sehr angenehme Atmosphäre zum Arbeiten, aber im Angesicht der Katastrophe erscheint einem die Arbeit manchmal lächerlich, es ist lächerlich, wenn du keinen Erfolg siehst, weil es sehr schwierig ist, das Öl von den Felsen zu bekommen; Ich erinnere mich, als ich am Wochenende am Strand war, waren Kollegen aus Madrid den Strand säubern, ich war an einem anderen Strand; als wir am Nachmittag wiederkamen, wären wir am liebsten wieder weggegangen, war schon wieder Öl an der Küste angekommen, es kamen kontinuierlich kleine Ölflecken an den Strand.

SPRECHER 1
In Cantabrien werden die Freiwilligen von der außerparlamentarischen Vereinigung „Oecologistas en acción“ – Ökologen in Aktion, koordiniert.

23. TAKE 18 CD 1 1:14,7
OSCAR – OECOLOGISTAS EN ACCION
reunion … empezamos entonces … (DRUNTER TEXT)
oecologistas en accion
litos … tonneladas … otra cosa … tan intendando … Galicia … cuando en Cantabria … todavia existe zona literal … contaminados …sacamos 30 tonnelados …

SPRECHER 2 (Übersetzung)
Gut fangen wir an!

Sie versuchten immer die Katastrophe herunterzuspielen, am Anfang der Katastrophe sagte der Vize-Präsident der Regierung, dass einige Liter Öl austreten würden, als Daten vorlagen von 150 Tonnen Öl täglich, da von Litern zu sprechen, das ist etwas anderes, oder der Verteidigungsminister Trillo, der von ein paar verschmutzten Stränden in Galizien sprach, in Galizien. Während sogar hier in Cantabrien, wo im Vergleich zu Galizien noch nicht so viel Öl herangetrieben wurde, einige Küstenregionen voller Öl sind, total verseucht, der Beweis ist, dass wir weiterhin jedes Wochenende arbeiten und Tonnen von Öl herausholen, und wir arbeiten jedes Wochenende und letztes Wochenende sammelten wir 30 Tonnen Öl von den Stränden, so stark sind die Küsten verseucht, und sie versuchen das herunterzuspielen.

SPRECHER 1
Die unbürokratische Organisation der Freiwilligen hatte für die Regierung einen Vorbildcharakter:

24. TAKE 19 CD 1 48, 95 sec.
OSCAR OECOLOGISTAS
miembros estan aprendiendo … a como tienen que trabajar con voluntarios
como hast ahoara no tenian una idea … para limpiar las playas … no estamos …schokolate …

SPRECHER 2 (ÜBERSETZUNG)
Wie uns Mitglieder der regionalen Regierung Cantabriens versichert haben, lernen sie von den „Ökologen in Aktion“, der Bewegung der Ökologen, wie sie mit den Freiwilligen arbeiten sollen, sie hatten bis jetzt keine Vorstellung, wir lehren sie durch unsere Art, zu agieren, wie man die Freiwilligen koordinieren soll, oder wir unterweisen sie, wie sie für die Sicherheit der Freiwilligen sorgen müssen, um die Strände zu säubern, weil wir ein Gesundheits-Protokoll haben, zur Sicherung der Gesundheit am Arbeitsplatz, ein striktes Protokoll, denn wir haben es zwar nicht mit Uran zu tun, aber auch nicht mit Schokolade oder mit Vanille.

SPRECHER1
Die Vereinigung der „Oecologistas en acción“ versteht sich, wie Oscar betont, nicht als Bewegung, die politisches Kapital aus der Katastrophe schlagen möchte:

25. TAKE 20 CD 1 15,16 sec.
OSCAR, OECOLOGISTA EN ACCION
movimiento social … grupa gente … no se presenta en las elecciones ..

SPRECHER 2 (ÜBERSETZUNG)
Es ist eine soziale Bewegung und keine politisch institutionelle Bewegung, eine soziale Bewegung, die Leute versammelt, Leute von der Straße, die auf der Straße arbeiten, wir nehmen nicht an den Wahlen teil. In Spanien nimmt die ökologische Bewegung nicht an den Wahlen teil.

SPRECHER 1
Und auch Freiwillige, wie Anna Gomez, wollen mehr sein als nur die Putzfrauen der Nation:

26.
TAKE 21 CD 1 40,1 sec.
FREIWILLIGE ANNA GOMEZ
imagen que tiene la gente de los oecologistas … una cosa muy concreta …
para quitar … energias renovables … que estamos en contra .. forma/

SPRECHER 2 (ÜBERSETZUNG)
Ich wollte vor allem das Bild, das die Leute von den Ökologen haben korrigieren, wir haben eine sehr schlechte Presse, und das ist das beste, dass uns die Leute sehen, dass wir uns um konkrete Dinge kümmern, das zählt fast mehr, als das Öl zu sammeln, das ist eine sehr konkrete Sache, und dass man andere Rohstoffe als das Öl forcieren müsste, erneuerbare Ressourcen, um alle unsere Probleme, die wir haben, zu lösen. Ich glaube, viele Leute sind gegen uns, weil sie glauben wir seien gegen alles, aber das stimmt nicht, man muss etwas tun, damit sich etwas ändert.

SPRECHER 1
Gewinner der Prestige-Katastrophe ist die spanische Zivilgesellschaft und mit ihr die Hoffnung auf eine bessere Welt. Wie vergeblich diese Hoffnung gleichzeitig ist, zeigt allein der Name der Bürgerinitiative „Nunca Mais“: Nie wieder. Sie wurde 1992 nach dem Untergang des Tankers „Aegean Sea“ geschaffen. Genau zehn Jahre später verunglückte die Prestige, ein 26-Jahre alter Tanker aus derselben Reederei wie die Aegean Sea. „Schon wieder!“ müsste die Devise heissen.

27 TAKE 22 CD 1
NUNCA MAIS Xavier Santos

cada diez anos … 7 anos .. esperamos que nunca mais … responsables … tanto catastrophe … malacoordinacion …

SPRECHER 2
NUNCA MAIS
Wir hoffen, dass sich das nicht wiederholt, deswegen wurde diese Bewegung geschaffen, aber leider waren die letzten Jahre so, alle 10 Jahre so eine Katastrophe, weniger, alle 5- 7 Jahre, leider, aber wir hoffen, hoffen wir: NUNCA MAIS – Nie wieder?

SPRECHER 1
Die Frage nach der Verantwortung für die Prestige-Katastrophe wird die spanische Öffentlichkeit noch länger beschäftigen: Ministerpräsident Aznar hat das EU-Verbot einwandiger Tanks wie seinen persönlichen Erfolg gefeiert. Eine schwache Beruhigungspille, wie viele meinen, tritt das Verbot doch erst 2010 in Kraft. Währenddessen hat er einen Untersuchungsausschuss im nationalen Parlament verhindert. Anders in Galizien. Hier musste sich der Regierungschef Fraga dem Druck der Straße beugen. Ein Untersuchungsausschuss wird die Mängel des regionalen Krisenmanagements klären.

28. TAKE 23 CD 1 20,3 sec.
Arbeiter: Los responsables??

SPRECHER 2 (Übersetzung)
Die Veranwortlichen? Ich glaube wir sind alle ein bisschen verantwortlich, im allgemeinen ein wenig alle, bei den vielen früheren Katastrophen ebenso wie bei dieser, wegen der schlechten Koordination zwischen dem Staat und dem Rest.

SPRECHER 1
Neben der nationalen Verantwortung haben für viele Fischer die Katastrophen vor der Küste Nordspaniens einen Namen: Globalisierung. Die Prestige hatte eine phillipinische Besatzung, eine liberianische Gesellschaft als Inhaberin, griechische Verwaltung, eine deutsche Klassifikationsgesellschaft bescheinigte die Hochseetauglichkeit. Und sie fuhr unter der Flagge der Bahamas:

29. TAKE 24 CD1 50,8 sec.
FISCHER
todo los barcos … desperchado … mucho barcos … barcos …signapur …
como yo … asi … banderria liberia … quitar/

SPRECHER 2 (ÜBERSETZUNG)
Alle Schiffe, egal ob sie Öl oder andere Waren geladen haben, gehören alle Monate kontrolliert, beim Aus- und Einlaufen in die Häfen, ob sie gefährliche oder normale Waren führten, ich meine, es gibt viele Schiffe mit einer Beflaggung, Piratenschiffe, solche gibt es leider schon seit vielen Jahren, mit einer Flagge aus Singapour, Norwegische Besatzung und ein deutsches Schiff, so haben es viele gemacht, mit Lybischer Beflaggung zum Beispiel, Piratenschiffe mit einem Wort, das muss sich aufhören.

SPRECHER 1
Die Verseuchung der nordspanischen Küste wird noch Monate und Jahre andauern, auch wenn die Tausenden Freiwilligen wieder aus Galizien verschwunden sein werden. Was bleibt, ist Trauer, und Bestürzung über eine verheerende Ölpest. Vielleicht aber auch die Erinnerung an menschliches, allzu Menschliches:

30. TAKE 25 CD 1 1- 18 sec!!
los manos limpias …FREIWILLIGE ANNA GOMEZ ...

SPRECHER 2 (ÜBERSETZUNG)
Es gibt eine Person, die wir „SAUBERE HAND“ nennen, diese Person ist vor Ort, um nach dem rechten zu sehen, wenn wo der Schweiß rinnt, kommt sie mit einem sauberen tuch, wenn wer Durst hat, bringt sie eine Flasche Wasser, wenn sich wer kratzen muss, dann kratzt sie, das größte Problem ist, wenn wer Pipi-machen muss, aber das sollen die anderen erklären ...

30. TAKE 25 CD 1 18 – 36 SEC.
Fortsetzung: LIED pelota son …y nunca mais/

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