War früher alles besser? Auf der Suche nach der verlorenen Zeit …

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Gestaltung: Johannes Gelich
Juli 2021
Radiokolleg, Ö1, ORF

Der große französische Schriftsteller Marcel Proust kam vor 150 Jahren in Paris zur Welt. Sein Hauptwerk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ gilt als Meilenstein der modernen französischen Literatur und singuläre Leistung menschlicher Vorstellungskraft. Der „Recherche du temps perdu“ wurde immer wieder Nostalgie, Snobismus und Verklärung der Vergangenheit vorgeworfen. Die rhetorische Frage „War früher alles besser?“ versucht auf den Spuren von Marcel Prousts Roman-Monument Diskussionen über das menschliche Erinnerungsvermögen anzustoßen.

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BLEICHGESICHT SKALPIEREN VERBOTEN

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Comic- und Jugendkultur im Korrekturmodus
Gestaltung: Johannes Gelich
Salzburger Nachtstudio, ORF, Ö1
August 2021

Die Aufregung war groß, als der Egmont-Ehapa-Verlag Erika Fuchs’ legendäre „Donald-Duck“-Übersetzungen aus den 1960er Jahren veränderte. Die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek nannte ihre Unterstützung des Protests „gegen die Schändung der göttlichen Erika Fuchs“ sogar eine „heilige Pflicht“.

Doch was war geschehen? Der Rechteinhaber der Erika-Fuchs-Übersetzungen, Egmont Ehapa, legt seit 2019 die „Donald-Duck“-Übersetzungen als „Lustiges Taschenbuch – Classic Edition“ neu auf und tilgte bei der Neuausgabe einige politisch inkorrekte Begriffe und Zuschreibungen.
Freudenfett wird Freundlich

So wurde aus dem dicken Schwein Fridolin Freudenfett Fridolin Freundlich, aus dem Maharadscha von Stinkadore der geruchsneutrale Maharadscha von Stikadore; heute politisch inkorrekte Bezeichnungen wie „Indianer“, „Zwerg“, „Eskimo“, „Bleichgesicht“, „rote Brüder“, „skalpieren“, „Territorium“, „Wilde“, „Eingeborene“ scheinen seit dem zwölften Band der Neuauflage der „Lustigen Taschenbücher“ verboten zu sein.

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Aus dem Leben der Bartlebys

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Feature von Johannes Gelich
Tonspuren, ORF, Ö1
Februar 2021

Den Aussteigern und Nein-Sagern in der Literaturgeschichte ist eines gemeinsam: Sie entscheiden sich aus freien Stücken, in einem als ungerecht, banal oder unerträglich empfundenen Dasein nicht mehr mitzuspielen. Der wohl älteste Totalverweigerer war der sagenumwobene Diogenes von Sinope, genannt der Hund, der als obdachloser Einsiedler in einer Pithos, einem Faß als Unterschlupf gewohnt haben soll. Aber auch die Frauen gingen in der klassischen Antike als Verweigerinnen in die Weltliteratur ein: In der pazifistischen Komödie „Lysistrata“ von Aristophanes verschwören sich die Frauen Athens und Spartas und beschließen, sich den kriegsführenden Männern sexuell zu verweigern, um den Peloponnesischen Krieg nach 20 Jahren endlich zu beenden.

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Der neue Aktivismus Von Wutbürgern und Weltretter/innen.

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Gestaltung: Johannes Gelich
Radiokolleg, Ö1, ORF
März 2021

Sie stehen eng beisammen, tragen keine Masken und halten Schilder in die Höhe: „Schluss mit der Bevormundung“, „Maske weg“ oder „Corona-Wahnsinn stoppen“:
die Corona-Aktivisten. Gemeinsam ist ihnen, dass sie auf die Straße gehen und ihren Dissens mit demokratisch legitimierten Maßnahmen öffentlich ausagieren. Doch wogegen richtet sich der Zorn der Demonstranten und welche Überzeugungen treiben sie an? Greifen hierbei noch traditionelle Denkmuster, die zwischen linken und rechten Anliegen unterscheiden? Im Falle der Corona-Aktivisten zeigt sich eine große Bandbreite an politischen Ideen: Während die einen das mutwillige Einschränken von staatsbürgerlichen Grundrechten und autoritäre Tendenzen hinter den Corona-Maßnahmen kritisieren, vermuten andere gar, die Pharma-Industrie habe Corona erfunden oder glauben an eine Weltverschwörung von superreichen Milliardären im Einklang mit der modernen Wissenschaft.

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