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weblog teil 7



Johannes Gelich

Stadtschreiber von Hermannstadt (Sibiu) vom 1. September 2008 bis 28. Februar 2009

Das Hermannstaedter Journal
weblog aus rumaenien

weblog teil 7

Auf Lesung
Er denkt, das Fragezeichen sei ein der Situation angemessenes Konstrukt (oder eine Zeichnung), es könnte eine zersprungene Null (denn es läuft auf nichts heraus) oder eine Variation eines indischen Ornamentes sein, das normalerweise querliegen müsste, eine Null, die vielleicht am harten Steinboden der Buchhandlung oder beim missglückten Versuch, durch das geschlossene Schaufenster zu entkommen, zersprungen und in Form eines Fragezeichens liegengeblieben ist, oder auch ein abgefallenes Ohr mit einem Tropfen Blut, oder der Kot einer Schlange, in diesem Fall einer Gedankenschlange, in der stickigen Luft des Veranstaltungsraumes der Buchhandlung jedenfalls bleibt ungeklärt, warum sich die Fragezeichen derart schnell vermehren und in Form von interessanten Beiträgen aus dem Auditorium auf ihn einprasseln, Sind Sie der Erzähler, Herr Gelich, und stimmt es, dass Sie sich, Herr Gelich, an ihrer Geburtsstadt rächen wollten, Herr Gelich, und warum schreiben Sie nicht einmal eine Biografie, und könnte eigentlich, Herr Gelich, das, was sie erzählen, woanders spielen, und wie kommt es, was mir erst jetzt aufgefallen ist, dass der Humor so eine tragende Rolle, wobei bei Jonathan Littell eine wirklich ähnliche Figur in ähnlicher Form, das hat mich stark erinnert, und haben Sie das alles selber erlebt, das heißt, Herr Gelich, stecken Sie nicht doch hinter dem Ich-Erzähler?¿?¿?¿? All das hört er nicht mehr, weil die Katze, die sich eben noch in den Schwanz gebissen hat, durch ihr Schnurren die interessanten Beiträge längst übertönt, nachdem sie die köstlichen, am Boden liegenden Fragezeichen mit großem Appetitt aufgefressen und deren Reste sogar aufgeschleckt hat.


30. September 2008