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weblog teil 16



Johannes Gelich

Stadtschreiber von Hermannstadt (Sibiu) vom 1. September 2008 bis 28. Februar 2009

Das Hermannstaedter Journal
weblog aus rumaenien


EINE VEGETARIERIN FÄHRT NACH RUMÄNIEN UND BEKOMMT EINE GANS GESCHENKT

Monolog

Teil II

BEATE
Und dann kamen zwei Nonnen vorbei, und lächelten, und Virgil raunt mir zu: Silentium Saints, und ich: Ne, Ne, Na geh, diese Farben, sage ich, und er: Church full, colour for standing outside, und ich verstehe nix, dass man Farbe braucht zum draußen Stehen, und er sagt immer: Blue of Voronetz, like, ich sage ja, i like, aber er sagt: like, und ich nicke, aber er sagt: like veronesegreen, like tizinred, und ich sage nici, nietzsch verstehen, er sagt noch einmal like green of the Veronese and the Tizins red, ja, ich sage, Tizian, schön, sehr schön, und dann gehen wir herum, und da deutet Virgil: Here: Adam, mit seinen Spindelfüßen, denke ich, und er steht hinter den zwei traurigen Ochsen, und es schaut aus als würde der Adam ihnen den Pflug in den Hintern rammen, aber ich sage, nix da zu mir, nix da, ich kann da nicht so einfach respektlos den rumänischen Adam, mich lustig machen, ich sage groß, great, und da in der Ecke spinnt die Eva, und Virgil sagt wieder Fourteeneightyeighty, diese Farben nach 500 Jahren, stell einmal einen grünen Plastikstuhl 500 Jahre in den Garten, da bleibt nix Farbe übrig, nici Ewigkeit, aber die reden ja heute nix von der Ewigkeit, die reden ja nur von der Kaufkraft, und „Haben sie schon ihre Möbel so gründlich satt?“, wo man dann zum Möbelix gehen soll, wenn ein Kratzer drinnen ist, so satt haben, Strauß die Drecksau, und so einfach war die Welt nach der Erschaffung einmal, sie spinnt Wolle und er ackert, was gibt es da für Probleme, und oben thront der Jesus, die Schar der Heiligen ganz unten, man sieht die Köpfe nicht vor lauter goldenen Heiligenscheinen und vom Zentrum herunter, so als würde ihm das Blut aus den Zechen rinnen, rinnt diese blutige Spur, so von Europa in Richtung Schwarzes Meer und diese blutige Spur wird immer breiter, und unten sitzt der Teufel, eine schwarze Ratte von hinten mit riesigen Barthaaren oder Fühlern, und das sagt dir jeder, dass die Orthodoxen viel inniger sind als die Katholen, und vor dem Teufelchen, da hat er seine zwei Kesseln kochen, da schwemmt es schon auf dem Blut eine Frau mit einem Kind heran, die sind nur ganz rote Silhouette, aber am besten gefällt mir die Frau auf dem Walfisch mit dem Segelschiff in der Hand, die die Schiffer, die Seefahrer beschützt, und dann schießt es wieder herein, dieses Sägen im Kopf, ob es nicht besser war in dieser Ordnung, dass man doch so wenig weiß und so viel glaubt, und ob es dann nicht überhaupt besser ist in so einer Glaubensordnung, weil da können alle gleich viel glauben, aber Wissen können ja überhaupt nur die Auserwählten, Strauß, die Drecksau, und „Glauben ist Macht“, sagt doch kein Mensch, und für die Phantasie da braucht es kein Büchergeld und keine Studiengebühren, Strauß die Drecksau, und der Virgil sieht meinen Ehering und dann fragt er: You not married, und ich, nici, nici married, Tarnung, äh Camouflage, no real, Camouflage, und der Virgil sagt wieder: You not married, und ich nehme den Ehering ab, und why you allone travel, und ich sag: to defend, i defend myself, AHH, sagt der Virgil, das kenn ich doch von Deutschland, da bist du ja schon geliefert, wenn Du einem Ausländer zu tief in die Augen siehst, und wenn du mitgehst auf einen Cafe fragt dich der Ausländer, ob du ihn heiraten willst, Ne, Ne, dachte sich die Beate, da schon lieber mit Ehering, und was sagt das Mensch nicht: Nein, in Deutschland sagt das Mensch ja auch Nein, aber in Rumänien kann das Mensch nicht Nein sagen, denkt sich die Beate, auf Reisen kann das Mensch nicht Nein sagen, Strauß, die Drecksau, und dann stehe ich da neben den Rosen auf dem Gras und ich möchte da bleiben bei der Frau, die auf dem Walfisch sitzt, und Virgil nimmt meine Hand, und ich denke, was nimmt er sich da jetzt meine Hand heraus, aber er sagt nur BAS BAS, und er reißt mich los von der Frau auf dem Walfisch, ich jetzt überhaupt nicht mehr Beatrice, und wir laufen quer über den Klostergarten, und die Zikaden zirpen, (nimmt die Gans am Hals und schaut sie an, weinerlich) und dein Tod kommt immer näher, Aunt nice, nice Aunt, sagt der Virgil und wir (schneller sprechend) gehen zum Parkplatz, da kann man noch ein kleines Kloster aus Holz kaufen, ich kaufe ein kleines Holzkloster, aber wir kommen der Tante immer näher, und ich spüre, dass da ein Tod daherkommt, dass da schon wieder irgendetwas zerstört werden muss, aber so war es früher ja auch, wäre ich im Klostergarten stehen geblieben, nici, Gans, nici tot, und man will ja nur ein bisschen der Natur wieder auf die Beine helfen, dass es nicht immer der Mensch ist, der alles niedertrampelt, und dass der Bauch nicht auch immer das Wort in der Kehle führt, was uns dann an die Kehle geht, dass man sich auch einmal widersteht, wie die sich da vor 500 Jahren sich widerstehen, abgesehen von den kleinen Schweinereien, die kleinen Schweinereien, die uns ja erst so richtig groß, Strauß die Drecksau, so richtig groß machen, das kleine Teufelchen in uns, und da denkt sich das kleine Schweinchen Beate halt, dass es keine Zwei-, Vier- und Sechsbeiner verspeisen will, damit die noch weiter mit ihren schönen Beinchen in der Welt herumkrabbeln können, mehr denkt sich ja das kleine Schweinchen Beate aus Germany nicht, und Virgil sagt: BAS BAS, und der Motor vom Bus heult schon auf, und wir fahren schon in Richtung Tante, wo du noch auf deinen beiden Beinchen herumwatschelst und keine Ahnung hast, dass es dir an den Kragen geht, dass die rote Spur jetzt dich erreicht hat, wo am Ende nicht mehr das kleine Teufelchen mit seinen langen Barthaaren und als Riesenratte vor seinen dampfenden Kesseln sitzt, sondern da wartet das ganz Rote, das ganz schwarze Dunkle, und ein ganz menschlicher Kessel auf Dich, und im Tantenbus werde ich schon ganz unruhig, weil mir die Tante spanisch vorkommt und nicht rumänisch, und der Virgil fragt mich: Nice, like Kloster, und ich sage like veronesegreen, like tizinred. Und Virgil sagt, Nono, better, better.

Fortsetzung folgt

10. November 2008