DAS MEDIALISIERTE KIND

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Von klein auf verkabelt mit der Welt

Die Eroberung kindlicher Erfahrungswelten durch die Medien wurde spätestens Ende der 1980er Jahre ein breit diskutiertes Thema, nachdem Neil Postman in seinem gleichnamigen Bestseller das Verschwinden der Kindheit prognostiziert hatte. Postman argumentierte bereits vor 30 Jahren, dass sich durch die Medialisierung der Kindheit die Grenze zwischen Kindern und Erwachsenen zunehmend auflöse.
Durch das Fernsehen sei der gesamte Inhalt der Erwachsenenwelt auch jedem Kind zugänglich geworden. Eine Folge davon sei, dass sich auch Gewalt von Kindern von denen der Erwachsenen immer weniger unterscheiden würde. Auch dreißig Jahre danach sprießen populärwissenschaftliche Sachbücher aus dem Boden, in denen vor der medialen Verblödung der Kinder gewarnt wird: Titel wie „Digitale Demenz“, „Die Lüge der digitalen Bildung: Warum unsere Kinder das Lernen verlernen“ oder „Wer hat unseren Kindern das Töten beigebracht“ künden von der grassierenden Sorge um die Auswirkungen von brutalen Computerspielen oder der Allgegenwart des Handys und der sozialen Netzwerke.

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HOMO NARRANS – Wie das Erzählen unser Leben organisiert

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Das Erzählen ist so alt wie der Homo sapiens, und doch stellt sich die Frage: Wann begann der Mensch mit dem Erzählen? Oder sollte man besser sagen: Woher kommt der menschliche Erzählinstinkt? In seinem gleichnamigen Sachbuch beschreibt der Biologe und Hirnforscher Werner Siefer, wie das Lausen der Affen von der Sprache und dem Erahnen der Absichten anderer abgelöst wurde.
Das Gedankenlesen und Phantasieren von Intentionalität waren im Keim schon Vorformen kleinster Erzählungen, die sich in tausenden von Jahren weiterentwickelten. Der soziale Aspekt des Erzählens ist seitdem nicht mehr aus dem menschlichen Leben wegzudenken, wie auch die ungebrochene Begeisterung für alte Erzählungen und Mythen aus aller Welt belegen.

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CERVANTES – EL MANCO DE LEPANTO

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Miguel de Cervantes (1547-1616) gilt als einer der Begründer des modernen Romans. Sein Hauptwerk Don Quijote de la Mancha (1605/’15) ist nach der Bibel der wohl meistgelesene literarische Text überhaupt. Er beeinflusste Generationen von Schriftstellern und Schriftstellerinnen: Michail Bulgakov und Tennessee Williams schrieben Bearbeitungen für das Theater, Komponisten wie Maurice Ravel, Jules Massenet, Richard Strauß, Antonio Salieri, Felix Mendelssohn Bartholdy oder Henry Purcell vertonten den Jahrhundertroman; 2002 wählten – organisiert vom Osloer Nobel-Institut – 100 bekannte Schriftsteller den Don Quijote zum „besten Buch der Welt“.
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GENERATION ERBEN

GENERATION ERBEN – DAS VERMÄCHTNIS DES WIRTSCHAFTSWUNDERS

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17 Milliarden Euro werden in Österreich jährlich an reinem Geldvermögen vererbt, weitere zehn Milliarden an Immobilienwerten gehen jährlich von einer Generation auf die andere über. Und das alles steuerschonend, da die Schenkungs- und Erbschaftssteuer 2008 abgeschafft wurde.

Die Diskussion um Vermögenssteuern löst immer wieder hitzige Debatten aus, wird Österreich doch hinter vorgehaltener Hand als Steuerparadies für Erben bezeichnet. Während die Steuern auf Vermögen in den vergangenen Jahrzehnten rapide sanken, kletterten die Immobilienpreise in ungeahnte Höhen. Doch mit der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich wird auch jenes demokratische Grundprinzip untergraben, laut dem soziale Ungleichheit durch Bildung, eigene Leistung und Arbeit wettgemacht werden könnte.

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Nur kein Selbstmitleid – Johannes Gelich im Gespräch mit Valentina Freimane

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Freitag, 22. Januar 2016, 10.05 Uhr, SWR2

Johannes Gelich spricht mit der 93-jährigen Lettin Valentina Freimane über das
Überleben im Totalitarismus

Valentina Freimane wuchs im jüdisch-deutschen Milieu der 20er Jahre zwischen Riga, Berlin und Paris dreisprachig auf. In der Hoffnung auf die Neutralität des jungen lettischen Staates, blieb ihre Familie in Riga und erlebte zuerst die sowjetische Okkupation, das sogenannte schreckliche Jahr, und die anschließende Besetzung durch Hitlerdeutschland, der ihre gesamte Familie und auch ihr junger Ehemann zum Opfer fiel.

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Über Erben spricht man nicht – Ö1 Magazin Gehört Gehört

Tabus scheinen in unserer überinformierten Medienalltagswelt vom Aussterben bedroht, doch fragt man bei Freunden und Bekannten nach ihrem Erbe, stößt man auf eine Mauer des Schweigens. Bist du ein Erbe? Wie hoch ist das Vermögen, das du erbst oder bereits geerbt hast? Was hat das Bewusstsein, Teil einer Erbengeneration zu sein, mit dir gemacht? Kannst du ruhigen Gewissens von den Zinsen des nicht von dir erarbeiteten Einkommens leben? Ist dir klar, dass du als Erbe einer Eigentumswohnung einen enormen Wettbewerbsvorteil gegenüber jenen genießt, die nichts geerbt haben und zum Teil die Hälfte ihres Einkommens für ihre Mietwohnungen aufwenden müssen?
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HÖRSPIEL – MEERESRAUSCHEN 3.2. – ZUM DOWNLOAD

sandige Zehen einer Person am Strand

Alle fahren in die Karibik, nur den Hanolds reicht das Geld nicht. Dieser Schande will sich die Familie nicht aussetzen. Also verreisen. Aber wie denn, ohne Geld? Um der Häme der prahlerischen Nachbarn zu entgehen, entsteht die Idee zu einem außergewöhnlichen Projekt: Im Keller Urlaub machen, mal was anderes, denkt sich die Familie Hanold und startet ihr kleines Experiment.
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Dr. Karl Renner-Publizistikpreis für Johannes Gelich

Dr. Karl Renner-Publizistikpreis verliehen

Preisträger 2015 sind: Markus Schauta in der Kategorie „Print“, Johannes Gelich in der Kategorie „Hörfunk“, Puls 4 in der Kategorie „TV“ und Dossier.at in der Kategorie „Online“

Am Dienstagabend wurde der „Dr. Karl Renner Publizistikpreis 2015“ vom Österreichischen Journalisten Club (ÖJC) im Wiener Rathaus verliehen. Die Preise wurden von den Jurymitgliedern Irene Brickner („Der Standard“), Susanne Ayoub (ORF-Radio), Kurt Langbein (TV-Dokumentarist) und Helmut Kletzander (freier Journalist) feierlich überreicht.

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Vielleicht hätte ich dich lieben sollen. Feature von Johannes Gelich

Im Juni 2014 wird in einer Salzburger Villengegend die Polizei verständigt. Eine Frau sorgt sich um ihre Nachbarn, die sich seit Tagen nicht mehr gemeldet haben, obwohl das Balkonfenster offen steht. Die Beamten verschaffen sich mithilfe der Feuerwehr Zutritt zum Haus. Sie finden die Leiche eines alten Mannes, er hat eine Schusswunde am Kopf, zu seinen Füßen liegt eine Pistole. Ein paar Räume weiter finden die Beamten die Leiche einer Frau. Das Feature lässt in Form einer Montage Angehörige, Nachbarn, Freunde zu Wort kommen, die Licht ins Dunkel einer tragischen Familiengeschichte bringen.

Regie: Stefan Weber und Johannes Gelich
Sounddesign und Musik: Stefan Weber
Redaktion: Elisabeth Stratka
Gestaltung: Johannes Gelich

Vielleicht hätte ich dich lieben sollen

ALLE HEISSEN MARIA

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08.05.2015: DIE PRESSE – SPECTRUM Von Johannes Gelich

Alle heißen Maria

Die erste Pflegerin hieß Maria, und für Gerhard K.s Mutter hießen auch die folgenden 16 Pflegerinnen Maria, weil sie sich die Namen nicht mehr merken konnte. Ein Fallbeispiel aus der Hauskrankenpflege.

Prinzipiell muss ich sagen, dass sie alle gut zur Mama waren“, erzählt Gerhard K., auch wenn er sich an die vergangenen fünf Jahre mit 17 wechselnden Hauskrankenpflegerinnen nicht wirklich gerne erinnert. Gerhard K. ist selbst von Beruf Krankenpfleger, mit 18 hat er in der Psychiatrie auf der Baumgartner Höhe begonnen. Er hat Patienten mittels Herzmassage das Leben gerettet, er hat Selbstmörder vom Strick geschnitten, und er hat Sterbenden den Puls gefühlt, während sie ihren letzten Atemzug getan haben. Grundkrankenpflege, psychiatrische Krankenpflege seit über 40 Jahren, er weiß, wovon er spricht, und in diesem Fall spricht er von seiner eigenen Mutter.

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REZENSION IM STANDARD – Das T-Shirt meiner Frau

Johannes Gelich: Orange Anoraks

Nicole Streitler-Kastberger
10. April 2015, 18:30

Johannes Gelichs Erzählungen kreisen um die Seltsamkeiten unseres digitalen Lebens. Sein Schreiben wird von ihnen aber nicht wirklich affiziert

Johannes Gelich ist vor allem für die Schonungslosigkeit seines Blicks bekannt, für einen bissigen und handfesten Stil. Dieser paart sich in seinem letzten Roman, Wir sind die Lebenden (2013), mit einem ungemein sympathischen Grundgrant, der die Widernisse des modernen Lebens nicht einfach so hinnehmen will, wie sie sind, sondern dagegen ankämpft. So etwa durch das noch selten zu literarischen Ehren gekommene Genre des Beschwerdebriefs, das Gelichs Hauptfigur Nepomuk Lakoter zur Perfektion treibt.

Dieser Lakoter ist aber zuallererst eine aus einem intertextuellen Spiel mit Iwan Gontscharows Oblomow gezeugte Couchpotato-Figur, der das reale Leben vor lauter Reflexion allmählich abhanden kommt. Vieles von dem, was junge Erwachsene heute umtreibt, ist in ihn eingeflossen. Seine Erregungen sind die junger urbaner Menschen mit hohem Bildungsniveau, denen die alten Werte suspekt geworden sind, ohne dass sie an deren Stelle neue setzen könnten. So leben sie in einer schizoiden Unverbindlichkeit, in einem statischen Nicht-mehr und Noch-nicht, wie es Soziologen den zeitgenössischen Unerwachsenen gerne konstatieren.

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REZENSION T-SHIRT MEINER FRAU – WIENER ZEITUNG

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WIENER ZEITUNG

vom 15.03.2015, 11:30 Uhr

Bücher aktuell

Literatur
Gelich, Johannes: Das T-Shirt meiner Frau

Von Bruno Jaschke

Armselige Lebenspraxis

Leser haben eine gewisse Tendenz, literarische Helden als Identifikationsfiguren für das eigene Selbstwertgefühl in Geiselhaft zu nehmen: Nonkonformisten wie Harry Haller aus Hermann Hesses „Steppenwolf“, Outlaws wie Sal Paradise, das Alter ego des Autors Jack Kerouac in „Unterwegs“ oder auch all die Kommissare und Ermittler von Philip Marlowe bis Brunetti, die Dilettanten des Alltags, aber Genies in Sachen Problemlösung sind.

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Was ist denn?

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Wenn ein Vater verzweifelt versucht, seinem Sohn das Benützen von Kondomen nahezulegen.

Torsten Hermentin liest die Geschichte „Was ist denn“ aus dem Erzählband „Das T-Shirt meiner Frau“, Haymon, 2014.

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Das T-Shirt auf Ö1

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Ö1 – Beispiele

Freitag – 16. Jänner 2015
11:40

Literarische Neuerscheinungen aus Österreich.“Das T-Shirt meiner Frau“ von Johannes Gelich. Gestaltung: Karin Buttenhauser

Menschen, die der Meinung sind, sie hätten sich ein besseres Leben verdient, sind die Protagonisten der neuen Kurzgeschichten von Johannes Gelich. Stets holt der Autor seine Figuren im Alltag ab und begleitet sie ein Stück durch ihren ganz normalen Wahnsinn. Darunter sind Getrauchelte und Hoffnungsfrohe, Romantiker und Zyniker; – oder auch jener Vater, der es nicht einfach hinnehmen will, dass sich sein pubertierender Sohn immer mehr zurückzieht und das Gespräch verweigert.

ÖSTERREICH ATLAS

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Foto: Anton Kiefer

Johannes Gelich

Braunau, Oberösterreich

Zum bayerischen Löwen

Der letzte Ausflug, den ich mit meiner geliebten Erbtante Trude unternahm, führte uns nach Braunau, wo sie als die jüngste Tochter der Bäckersfamilie Nöbauer im sogenannnten Rabenhaus aufgewachsen war. Das Rabenhaus wurde Ende des 15. Jahrhunderts errichtet, gehörte damals zu den Mautanlagen der Stadt und diente gleichzeitig als 4-stöckiger Speicher. Im frühen 18. Jahrhundert beherbergte es eine Brauerei, später war es Amts- und Wohnsitz von Johann Gottlieb Kattenpeck, dem Mautner zu Braunau. Seit damals befindet sich der Bayerische Löwe auf dem mit 24 Meter höchsten Giebel im Altstadtbereich.

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Linda Stift und Johannes Gelich auf dem Salzburger Literaturfest 2013

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Unter dem Motto „Schreibende Paare“ stellen neben den Salzburger Schriftstellern Gudrun Seidenauer und Wolfgang Wenger auch Linda Stift und Johannes Gelich im Rahmen des Literaturfestes Salzburg ihre aktuellen Romane vor. Im Gespräch erzählen die beiden über den gemeinsamen Alltag, ihre Vorliebe für seltsame Charaktere und den geteilten Hang zu Scherz und Ironie.

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